Geschichte
 
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1904 - 1945 1946 - 1964 1965 - 1999 2000 - heute

Vereinschronik

(Text v. E. Küllmer)

1904

 

Es war Spätsommer 1904. Nur das Beitragsbuch gibt uns einen Anhalt über den Zeitpunkt der Gründung. Vereinsprotokolle fehlen uns leider bis zum Jahr 1924. Deutschland wurde noch von einem Kaiser regiert und Turnvater Jahn hatte vor einigen Jahrzehnten die Deutsche Turnerbewegung gegründet.

 

Zu jenem Zeitpunkt trafen sich 35 junge Gottsbürener Männer, fast alle zwischen 15 und 20 Jahre alt und gründeten den Turnverein Gottsbüren. Initiator war Rudolf Aßhauer und 1. Vorsitzender wurde der damals 29 jährige Gemischtwarenhändler und spätere Gemeindekassierer Philipp Gipper.

 

Wir könnte heute davon ausgehen, wie das älteste Vereinsfoto belegt, das sich von Anbeginn auch Spielmänner dem Turnverein angeschlossen hatten.

 

Schon bald nach der Gründung wurde einheitliche Kleidung für die Sportler und die 1. Vereinsfahne beschafft.

 

1914

 

In den ersten 10 Jahren seit Gründung entwickelte und festigte sich der Verein allmählich. Starken Zulauf konnte man zu Beginn des Jahres 1914 verzeichnen, wohl aus Patriotismus und wegen der Wehrertüchtigung, denn der 1. Weltkrieg stand vor der Tür.

 

Die Mitglieder zahl stieg auf 85 an.

 

Doch schon bald musste man den Sportbetrieb wegen der vielen Einberufungen zum Kriegsdienst einstellen.

 

1917

 

So ist aus einer Aufstellung des 1. Vorsitzenden Karl Wörner im Jahre 1917 zu entnehmen, dass zu diesem Zeitpunkt ca. 85 % aller Mitglieder eingezogen und 13 Mitglieder bereits gefallen waren.

 

1918

 

Im November  des Jahres 1918 endet der 1. Weltkrieg und bereits im Januar 1919 wurde der Sportbetrieb wieder aufgenommen. Die erstaunliche Zahl von 104 Mitgliedern kehrte in den Verein zurück oder trat neu ein.

1923

 

Im Jahr 1923, Kriegsschulden hatten das Geld entwertet und zu einer Inflation geführt. So betrug im Dezember des Jahres der Mitgliedsbeitrag die utopische Summe von 200 Milliarden Mark (200.000.000.00).

 

Der Verein stand vor dem finanziellen Aus.

 

Doch es ging weiter.

 

1924

 

Ab dem Jahre 1924 konnte der Verein zu einem überschaubaren Jahresbeitrag von 3,- Reichsmark zurückkehren; die Mitgliederentwicklung hatte das Ganze nur wenig geschadet.

 

1925

 

Im Jahre 1925 wird erstmals erwähnt das sich neben den Turnern auch Leichtathleten sich dem Verein angeschlossen hatten. So wurde die Teilnahme am Geländelauf des Westbezirkes im Protokoll vom 25. Februar 1925 dokumentiert.

 

Die Mitgliederzahl sang im Jahre 1925 auf 62, allen Turnern unter 25 Jahren wurde nun die Teilnahme an den Übungsstunden zur Pflicht gemacht. Immer wieder wurde die Beteiligung an den Übungsstunden und die Disziplin bemängelt. Die Teilnahme an Bällen wurde zu jener als sehr erfreulich bezeichnet.

 

1928

 

Als im Jahre 1928 die Handwerksburschen Willi Kixmüller und Helwig Homberger, die ins Dorf gekommen waren, zeigten, was man mit einem solchen Gerät alles anstellen konnte, war die Sparte Handball geboren. Das Protokoll der Generalversammlung vom 14. Oktober 1928 belegt, dass die Kosten für die Anschaffung des Balles der Verein übernahm. Die Gemeinde stellte eine Fläche für den Sportplatz zur Verfügung.

 

1930

 

Die ersten Erfolge der Handballer ließen nicht langen auf sich warten, und so gewannen die Handballer in der Serie 1930 die Gaumeisterschaft.

 

1932

 

Mit dem 1. März 1932 traten erstmals 15 weibliche Mitglieder in den Verein, um Gymnastik zu betreiben. Doch das Aus kam bereits ein Jahr später.

 

Von den nun über Deutschland heraufziehenden dunklen Wolken blieb der Verein nicht verschont. So sah sich die Vereinsführung, auf der Vereinsversammlung vom 2. April 1932 genötigt, folgenden Beschluss zu fassen.

 

Zitat: „ Um die Einigkeit des Vereines zu erhalten, wurde beschlossen, politische Abzeichen aller Art innerhalb des Vereins nicht zu tragen. Wer hiergegen verstößt, wird sofort ausgeschlossen“.

 

Doch dies änderte sich sehr bald. Der Rest ist Schweigen. Tiefe Finsternis machte sich über Deutschland ……. und dem Verein breit.

 

1946

 

Doch am 25. Mai 1946 erblühte neues Leben aus den Ruinen, so überschrieb, der damalige Schriftführer Ernst Schmitt das Beitragsbuch mit:

 

Neugründung des Turn- und Sportvereins „Hassia Gottsbüren“

 

68 altgediente Sportler und Jugendliche trafen sich und gründeten die „TSV Hassia 1904“ Gottsbüren wie er sich auch heute noch nennt.

 

Im gleichen Jahr traten weitere 71 männliche und weibliche Mitglieder dem Verein bei, unter ihnen auch eine größere Zahl von Flüchtlingen, Heimatvertriebenen, Evakuierten und Menschen die die Kriegswirren nach Gottsbüren verschlagen hatten. Viele alte Sportler konnten nicht mehr, andere noch nicht eintreten, da sie gefallen oder umgekommen waren andere sich noch in Kriegsgefangenschaft befanden

1947 - 1964

 

Kurz nach der Neugründung wurde der Sportbetrieb wieder aufgenommen. Doch allmählich wandelte sich der Verein. Die meisten Jugendlichen spielten lieber Handball als zu turnen und so schlief das Turnen ende der 50iger Jahre ein.

 

Am 1. Oktober 1947 wurde Fritz Hesse zum 1. Vorsitzenden gewählt, ein Glücksfall für den Verein, wie sich später herausstellen sollte.

 

Nach wiederholten Querellen mit dem Vereinswirt und anschließenden Rauswerfen, entschloss sich der Verein, eine andere Sportstätte zu finden. Im Dezember 1951 plante man, die Schützenhalle winterfest umzubauen. Ein Jahr später, am 2. Weihnachtstag, kam es dann zum Gespräch zwischen dem 1. Vorsitzenden Fritz Hesse, Bürgermeister Georg Blankenberg und dem 1. Vorsitzenden des Turngaues Nordhessen Erich Götze zwecks Neubaus einer Turnhalle, welches offensichtlich sehr befruchtete und vorantrieb. Bereits am 21.03.1953 erfolgte der erste Spatenstich und der Bauingenieur Heinrich Kompfe, ehemals Mitglied des Vereins, fertigte im Juni 1953 eine genehmigungsfähige Bauzeichnung, die am 28.10.1953 abschließend vom staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Kassel genehmigt wurden.

 

Schon zwei Jahre später, exakt am 6.12.1955 wurde Richtfest gefeiert. In den nächsten Jahren kam es dann zum vorläufigen Abschluss. Nach der Erweiterung der Halle in den Jahren1960/61 um eine Hausmeisterwohnung, Toilettenräume und Heizung, konnte Fritz Hesse die Halle nach 12jähriger Bauzeit am 6.6.1964 einweihen. Doch es blieb nicht die letzte Einweihungsfeier.

Fortsetzung folgt…